Bauklassen

  • Beanspruchungen und Bauklassen von Pflasterflächen
    Die Bemessung des Oberbaues von Flächenbefestigungen erfolgt in der Regel auf der Grundlage der RStO 12 (Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaues von Verkehrsflächen). Die in der RStO 12 aufgeführten Standardbauweisen sind sowohl für öffentliche als auch für private Flächenbefestigungen geeignet. Für ländliche Wege, Flugbetriebsflächen sowie durch Sonderlasten beanspruchte Verkehrsflächen gelten gesonderte technische Regelwerke. 

    Für die Bemessung ist die Achslast der Fahrzeuge, die für den Transport eingesetzt werden oder das Gewicht der Lagergüter auf Gewerbeflächen, z. B. Container, maßgebend. Die Beanspruchung hängt nicht linear von der Achslast ab, sondern höhere Achslasten beanspruchen die Straßenkonstruktion überproportional. Nach dem Stand der Technik wirkt sich eine Zunahme der Achslasten in einem exponentiellen Anstieg in der Beanspruchung der Verkehrsfläche aus. Dieser exponentielle Anstieg wird mit der 4. Potenzregel (AASHO-Road-Test, USA, 1960iger Jahre) beschrieben. In Deutschland werden die Achslasten auf eine Standardachslast von 10 t bezogen (Bezugsachslast) und mit der 4.-Potenz-Regel in äquivalente 10-t-Achsübergänge umgerechnet (Äquivalente 10-t-Achslast = [LK(Mittlere Achslast in der Lastklasse k) / L0(Bezugsachslast:10t)]4.

    Hierzu heißt es in der RStO 12 im Abschnitt 2.1.4 Beanspruchung aus Verkehr:
    Äquivalenter 10-t-Achsübergang
    Beanspruchung durch einen tatsächlichen Achsübergang, normiert auf die Beanspruchung durch einen 10-t-Achsübergang.

    Dimensionierungsrelevante Beanspruchung [B]
    Summe der gewichteten äquivalenten 10-t-Achsübergänge, die bis zum Ende des vorgesehenen Nutzungszeitraumes in dem Fahrstreifen mit der höchsten Verkehrsbeanspruchung zu erwarten sind. Die Gewichtung erfolgt durch die Berücksichtigung von Fahrstreifen-, Fahrstreifenbreiten- und Steigungsfaktoren.

    Beispielhaft sei hier angeführt, dass eine Überfahrt mit einem 2-achsigen Lkw von 18 t Gesamtgewicht (Achse vorne 6,5 t, angetriebene Achse hinten 11,5 t) die gleiche Beanspruchung darstellt, wie rd. 50.000 bis 70.000 Überfahrten mit einem Mittelklasse Pkw. Aus diesem Zusammenhang wird deutlich erkennbar, dass für die Ermittlung der dimensionierungsrelevanten Beanspruchung nur die Fahrzeugarten des Schwerverkehrs (SV) von Bedeutung sind.

    Für die rechnerische Ermittlung der dimensionierungsrelevanten Beanspruchung ist unter anderem der DTV(SV) [Fz/24h], die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke der Fahrzeugarten des Schwerverkehrs, nicht zuletzt aber auch der vorgesehene Nutzungszeitraum von erheblicher Bedeutung! Die äquivalenten 10-t-Achsübergänge werden bis zum Ende des vorgesehenen Nutzungszeitraumes, in der Regel sind das 30 Jahre, summiert und ergeben die bemessungsrelevante Beanspruchung B.

    Diese bemessungsrelevante Beanspruchung B kann nach der RStO mittels verschiedener Methoden berechnet werden. Bei der Berechnung können bekannte Entwicklungen, z. B. eine Zunahme des Schwerverkehrs oder für später geplante Nutzungsänderungen, berücksichtigt werden. Nach der Ermittlung der dimensionierungsrelevanten Beanspruchung B erfolgt die Zuordnung zu einer Belastungsklasse.

  • Zuordnung zu einer Belastungsklasse 
    In den Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaues von Verkehrsflächen (RStO) werden Verkehrsflächen in sieben Belastungsklassen eingeteilt.

    Dimensionierungsrelevante
    Beanspruchung [B]
    Äquivalente 10-t-Achsübergänge in Mio.



    Belastungsklasse
    1über32
    2über10bis32Bk100
    3über3,2bis10Bk32
    4über1,8bis3BK10
    5über1,0bis0,8BK3,2
    6über0,3bis0,3Bk1,0
    7überbis0,1Bk0,3

    Tabelle 1: Dimensionierungsrelevante Beanspruchung und zugeordnete Belastungsklasse
    Quelle RStO 12, Tabelle 1, S.10

    Im privaten und im kommunalen Bereich stehen oftmals keine ausreichenden Informationen über die zu erwartende Schwerverkehrsbelastung zur Verfügung. Hier ist es häufig sinnvoll, die Verkehrsfläche entsprechend der Funktion und/oder der Nutzungsart eine Belastungsklasse zuzuordnen (Tab. 2).

    Für Kreisverkehrsflächen ist die gegenüber dem höchstbelasteten Fahrstreifen nächsthöhere Belastungsklasse vorzusehen.

Typische EntwurfssituationStraßenkategorieBelastungsklasse
Anbaufreie Straße VS II, VS IIIBk10 bis Bk100
VerbindungsstraßeHS III, HS IVBk3,2/Bk10
IndustriestraßeHS IV, ES IV, ES VBk3,2 bis Bk100
GewerbestraßeHS IV, ES IVC, ES VBk1,8 bis Bk100
HauptgeschäftsstraßeHS IV, ES IVBk1,9 bis Bk10
Örtliche GeschäftsstraßeHS III, HS IVBk1,9 bis Bk10
Örtliche EinfahrtstraßeHS III, HS IVBk 3,2/Bk10
Dörfliche EinfahrtstraßeHS IV, ES IVBk1,0 bis Bk3,2
QuartiersstraßeHS IV, ES IVBk1,0 bis Bk 3,2
Sammelstraße ES IVBk1,0 bis Bk3,2
WohnstraßeES VBk0,3/Bk1,0
WohnwegES VBk0,3

Tabelle 2: Straßenart und zugeordnete Belastungsklasse Quelle:  RStO 12, Tabelle 2, S.11